Ist das Quadrat auch ohne Dreieck Gemeinde und passt das Dreieck in den Kreis? Eine kleine Gemeindegeometrie.

Ich habe ein paar Kinder gefragt, was ihrer Meinung nach unbedingt zu einer Kirche gehört. „Ein Kirchturm mit Glocke!“, war ihre spontane Antwort. „Was ist denn, wenn der Kirchturm fehlt? Ist es dann immer noch eine Kirche?“ Kurzes Überlegen, dann ein überzeugtes Kopfschütteln! Als ich fragte, was übrig wäre, wenn man alle Steine der Kirche abbauen und nur das Mobiliar dastehen würde, kam die Antwort: „Ein Ersatzteillager für eine Kirche.“

So lustig die Antwort auch sein mag, so hilfreich ist die Frage, was die Minimumkriterien für Kirche oder Gemeinde wirklich sind. Wenn man vielleicht keinen Kirchturm braucht, ist dann aber doch ein Gebäude notwendig? Wenn man sich die Gemeindelandschaft in Deutschland anschaut, könnte man das denken.

Jüngerschaft lernen

Fangen wir noch einmal komplett von der anderen Seite an: Kombinieren wir das Liebesgebot und den Missionsbefehl von Jesus mit seiner Zusage, dass er mitten dabei ist, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, haben wir die drei wichtigsten Akzente von dem, was Jesus gepredigt hat: Gott lieben, den Nächsten lieben und Menschen zu Jüngern machen. Was ist, wenn wir all das mit einer Handvoll Leute leben wollen? Mit Jesus als unserem gemeinsamen Herrn in der Mitte. Wären wir dann nicht so etwas wie eine Rohform von Gemeinde? Ich bin davon überzeugt!

Die in Deutschland am meisten verbreitete Form von Gemeinde lässt sich gut mit einem Quadrat illustrieren. Jede Seite des Quadrats steht dabei für ein zentrales Element von Gemeinden: Pastor oder Hauptamtliche, ein Gebäude, in dem Veranstaltungen laufen und ein Budget. Zwei Fragen dazu: Was wäre, wenn man die Werte, also das Dreieck, aus dem Quadrat herausnehmen würde? Wäre das Quadrat dann noch Gemeinde?

Schwierig, denn dann könnte auch ein Sportverein Gemeinde sein – mit einem Vereinsheim als Gebäude, Training und Spielen als Veranstaltung und die meisten Vereine haben auch Hauptamtliche und ein Budget. Wir sehen: Die Form (hier das Quadrat) macht nicht das Wesen von Gemeinde aus. Andersherum könnte die erwähnte Handvoll Leute, die verbindlich miteinander und unter der Führung von Jesus unterwegs ist und alle drei Werte des Dreiecks lebt, auch eine andere Form wählen – zum Beispiel einen Kreis – und bliebe ein legitimer Ausdruck von Gemeinde.

Sportverein = Gemeinde?

Die zweite Frage: Fördert oder behindert unsere gewählte Form die Ausübung der drei Kernwerte, Gott und den Nächsten zu lieben sowie Menschen zu Jüngern zu machen? In der Praxis der klassischen Gemeindeform ist der gemeinsame Gottesdienst das prägendste Element des Gemeindelebens. Fördert diese Form den Auftrag Gott zu lieben, den Nächsten zu lieben (und zu den Nächsten gehören laut Jesus ja auch die, die uns nicht so lieb sind) und Menschen zu Jüngern zu machen?

Pastoren haben mir darauf oft geantwortet: „Unser Gottesdienst inspiriert die Leute, Gott zu lieben, und in unseren Kleingruppen haben die Menschen die Möglichkeit, einander zu lieben und zu ermutigen. Aber wie wir in unserem Modell wirklich Menschen zu Jüngern machen können, wissen wir eigentlich nicht.“ Das leuchtet ein, da im Gottesdienst im Normalfall frontal von vorn gelehrt wird – Jüngerschaft lernt man aber am besten direkt von anderen Menschen, die einem das praktische Handwerkszeug zeigen: wie man die Bibel liest, wie man betet, wie man von Jesus redet, wie man andere anleitet, es ebenso zu tun.

Deshalb unsere Formulierung „in jedes Haus“: Wir möchten das Dreieck in kleineren Kreisen in Häusern leben – weil das Beieinander und Miteinander im Glauben hier intensiver ist und Jüngerschaft gelebt und gelernt werden kann.

Foto von Mr. Great Heart

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